Cassiopeia TheaterVerlag.

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Neu: TheaterHörbuch.

Das TheaterHörbuch: Elfenfrühstück für die Presse vom 23. September 2005

Pressetext vom 22. September 2005:
Das Theaterhörbuch
Versuch einer lexikalischen Defintion
Das TheaterHörbuch ist der für das Lesen oder Vorlesen (episch ergänzt) eingerichtete Theatertext, der das Ziel verfolgt, dem Leser zu helfen, ein Theatererleben zu imaginieren. Es ist also ein lesbarer, mit narrativen Elementen verfaßter Theatertext.
Das Theaterhörbuch ist als eigenständiges literarisches Genre im Theater entdeckt und entwickelt worden. Es umfaßt im erweiterten Sinn neben der geschriebenen Form auch die gesprochene Form.

• Grundlage und Absicht des Theaterhörbuches
Ausgangspunkt und Grundlage des Theaterhörbuches bildet die Dialogform des Theatertextes. Diese dramatische Form wird unter dem Augenmerk des Lesbar- bzw. Vorlesbarmachens und damit des Hörbarmachens für die schriftliche Buchform eingerichtet. Die wörtliche Rede des Theatertextes wird erhalten. Sie wird durch einen deskriptiven und nicht wertenden Teil ergänzt, z.B. einen Erzähler, der die Befindlichkeiten der Agierenden, die Stimmungen und Örtlichkeiten der Handlung beschreibt. Die so episch umspielte auf das Sprechen bzw. Vorlesen ausgerichtete Schriftform hat Ähnlichkeit mit dem Märchen, das seine ursprüngliche Verbreitung durch das tradiert gesprochene Wort eines Sprechers erfuhr.
Um für den Leser die Imagination eines Theatererlebens zu inspirieren oder das Theatererleben zu spiegeln, verfolgt das Theaterhörbuch verschiedene Parameter. Dialog und Erzählung stehen im Präsens. Die Beschreibungen der Geschehnisse bleiben der Vorstellung des Theatertextes treu; das bedeutet, es werden nur im Theaterspiel angelegte Handlungen beschrieben, keine anderen hinzuerfunden.
Ausgang für diese Festlegungen ist der Umstand, daß dramatische Texte im theatralen Bühnengeschehen durch gespielte Handlung interpretiert werden. Für den Theaterbesucher entsteht daraus das Theatererlebnis. In der schriftlichen Umsetzung, die die individuelle Imagination eines Theatererlebnisses anregen soll, wird daher das visuelle Geschehen des Theaters durch Prosa illustriert. Der Präsens ist dabei unumgänglich, um Unmittelbarkeit und Aktualität des „Jetzt“ im Theater in einem rein akustischen Medium (verstanden als das geschriebene Wort zum Ausdruck von gesprochener Sprache ohne das Visuelle der Bühne) erlebbar zu machen.

• Idee und Wirken
Die Idee des Theaterhörbuches wurde im Theater entwickelt bei der Umwandlung von Kindertheaterstücken in Kinderbücher, da für Kinder beim Selberlesen die in bloße Rollen gefaßte Form des Theatertextes nicht hinreichend nachvollziehbar ist; ein Rezeptionsproblem, das sich bei Theatertexten oft auch Erwachsenen stellt. Unter diesem Aspekt ist das Ziel des Theaterhörbuches die interpretierend gelesene und erörterte Form des dramatischen Textes. Nicht ganz richtig kann man vereinfacht sagen: Das Theaterhörbuch beschreibt tendenziell das, was ein geübter Leser von Theaterliteratur (z.B ein Regisseur oder Dramaturg) innerhalb seines Lesevorgangs zur Geschichte imaginieren könnte.
Der Begriff Theaterhörbuch wurde von dem Regisseur Udo Mierke und der Germanistin und Theaterautorin Claudia Hann erstmalig eingesetzt und geht zurück auf die mehrjährige Arbeit des Cassiopeia Theaters bei der Umsetzung von Theatertexten in Kinderbücher, insbesondere des Theaterstückes "Max auf den Bäumen. Das Rätsel des eisernen Turmes" von Claudia Hann, in ein Audiobuch im Jahr 2005. Das erste Theaterhörbuch wurde am 27. September 2005 im Cassiopeia TheaterVerlag, einem für und von Theatermachern betriebenem Verlag, veröffentlicht.


Das Theaterhörbuch außerhalb der Schriftform
• Lesung
Wenn das Theaterhörbuch aus seiner gedruckten Form heraus als Lesung realisiert wird, ist die Ausrichtung an der vorgegebenen Buchform selbstverständlich. Da Theaterwerke (zum Beispiel Opern aber auch Musikmärchen) zum Teil Musikkompositionen als integrativen Bestandteil des Bühnenwerkes umfassen, können diese, dem dramatischen Text folgend, in die Lesung einfließen. Bei der Lesung des Theaterhörbuches wird eine Reduktion auf einen einzigen Sprecher dringend empfohlen, da die Grundintention des Theaterhörbuches das Selberlesen ist.
• Hörbuch
Gleiches gilt, wenn das Theaterhörbuch in Fortführung des Leseaspektes technisch als Hörbuch realisiert wird. Auch hier soll es sich nicht der Möglichkeiten des Hörspieles bedienen, sondern sich dicht an der Buchform orientieren und maximal die zum Theaterstück gehörenden Musikkomposition in die akustische Umsetzung integrieren. Denn: Das Theaterhörbuch ist nicht die Einrichtung eines Theaterstückes für den Hörfunk oder sonstige Tonträger, sondern auch das Theaterhörbuch muß gegebenenfalls für das Audiomedium eingerichtet werden. Bei dieser Einrichtung bleiben akustische Effekte und Geräusche, wie sie im Hörspiel zu finden sind, ausgeschlossen, um die Authentizität des selbst gelesenen Theaterstückes und den des (Vor)-Lesegedankens im Theaterhörbuch als Umsetzung eines dramatischen Werkes zu erhalten.
Lesen Sie auch: Wie wir das Theaterhörbuch fanden

(C) Copyright 2005, by Udo Mierke